Alles, was du über koreanische Dialekte wissen musst

Schonmal von oft sehr amüsanten Verständigungsschwierigkeiten gehört, die Koreaner aus Seoul mit jenen in Jeju haben? Auf der Insel spricht man vieles einfach komplett anders aus, während die übrigen Bürger von Korea sich ganz problemlos miteinander verständigen können. Der Grund dafür ist, dass fünf der sechs Dialekte fast völlig gleich sind und es nur ganz geringfügige Unterschiede gibt. In diesem Artikel möchte ich euch nun ein bisschen mehr davon erzählen, denn auch das gehört schließlich zum Thema der Kommunikation dazu.

Satoori – der regionale Dialekt in Südkorea

Das, was wir hier im deutschsprachigen Raum als Dialekt bezeichnen, trägt in Südkorea den Namen 사투리 Satoori. In ganz Korea gibt es sechs verschiedene Sprechweisen. Diese begrenzen sich auf folgende Landeszonen:

  1. Seoul & Gyeonggi
  2. Gangwon
  3. Chungcheong
  4. Gyeongsan
  5. Jeolla
  6. Jeju

Gehen wir nun nach der Reihe jeden einzelnen dieser sechs Dialekte durch, dann könnt ihr feststellen, dass die Unterschiede bis auf den letzten eigentlich minimal sind.

1. Dialekt in Seoul und Gyeonggi

Die koreanischen Worte für den Dialekt aus der Gegend lauten 서울말 Seoulmal oder 표준어 Pyojuneo. Es gibt an dieser Stelle nicht viel dazu zu sagen. Hierbei handelt es sich nämlich um die Form, die man beim Koreanisch lernen durcharbeitet. Man könnte den Dialekt auch irgendwo als Standardkoreanisch bezeichnen. Daher haben Interessierte und Touristen, die der Sprache mächtig sind, oft auch gar keine Probleme, wenn sie bei einem Urlaub die Hauptstadt besuchen.

2. Dialekt in Gangwon

In Gangwon herrscht die niedrigste Bevölkerungsdichte von ganz Korea vor. Daher ist der dortige Dialekt auch nicht sehr weit verbreitet und hat auch keine eigene Bezeichnung. Wer ihn beschreiben will, sagt im Grunde immer 강원 사투리, was übersetzt einfach nur Dialekt aus Gangwon bedeutet.

Im Gegensatz zu der Sprechweise in Seoul drückt man sich in Gangwon sehr homofon aus. Damit hören sich die dortigen Bürger auch mehr danach an, als würden sie Mandarin anstatt Koreanisch sprechen. Hier ein paar Beispiele:

Seoul DialektGangwon DialektBedeutung
아버지아부지Vater
어머니어머이Mutter
어른으른Erwachsener
곡식곡석Weizen
고기괴기Fleisch

3. Dialekt in Chungcheong

Da Chungcheong am Norden angrenzt, spricht man hier auch so, wie in Pjöngjang und damit eigentlich ganz Nordkorea. Den dort lebenden Menschen wird oft nachgesagt, dass sie besonders höflich wären, weil sie zwei der Vokale aus dem Standard-Koreanisch völlig austauschen. ㅗ wird dadurch zu ㅜ und aus ㅛ wird ㅠ. Dadurch gehen sie bei einer Aussage oder Frage immer etwas höher. Allgemein wirkt es dadurch so, als ob sie langsamer sprechen würden.

Aus 안녕하세유 wird dadurch 안녕하세요 – sprecht diese Wörter einmal aus. Dann merkt ihr schnell, wie stark sich ein einziges ausgetauschtes Vokal auswirken kann.

Hier kommen wieder ein paar Beispiele:

Seoul DialektChungcheong DialektBedeutung
모양모냥Form
Schlange
젓가락저범Stäbchen
아궁이고쿠락Ofen
일어나다인나다aufwachen

4. Dialekt in Gyeongsan

Da Busan in Gyeongsan liegt, wird der dortige Dialekt oft als Dialekt von Busan betitelt. Auch hier tauscht man ganze Vokale aus. Im Gegensatz zum Dialekt aus Chungcheong klingt die Aussprache damit aber nicht höflicher, sondern viel härter und sogar ein wenig aggressiv. Aus ㅡ wirdㅓ. Man würde also 음식 anstelle von 엄식 in dieser Gegend sagen.

Darüber hinaus werden die kombinierten Vokale nicht ausgesprochen. 도서관 wird dadurch nicht Doseogwan, sondern Doseogan gesagt. Das macht die Verständigung dann schon schwieriger. Vor allem dann, wenn die dort lebenden Bürger beginnen, auch so zu schreiben, wie sie es sagen. Kommt immer wieder mal vor und sorgt dann beim Chatten für große Verwirrung. ㅆ wird außerdem ㅅ gesprochen.

Ein weiterer großer Unterschied liegt auch darin, dass an das Verb für den Imperativ anstelle des üblichen -세요 dann -이소 angehängt wird. Hier wieder ein paar Beispiele:

Seoul DialektBusan DialektBedeutung
뭐야?뭐고?Was ist das?
왜 그래?와이라노Was ist los?
이리와이리온나Komm hier her.
김치짐치Kimchi
두부조포Tofu

5. Dialekt in Jeolla

Auch in Jeolla verwendet man einen ganz anderen Imperativ. Anstatt hier die Verben wie üblich zu konjugieren, verwendet man 라우 oder 지라우 statt dem in Seoul üblichen 세요. Nebenher werden auch die Vokale abgeändert, aber sie klingen bei weitem nicht so hart, wie etwa in Gyeongsan. 어 wird zu 으 und 여 wird zu 예.

Das Ganze weitet sich dann noch auf Wörter aus, wie etwa 먹다, das durch den dortigen Dialekt dann 없다 geschrieben wie auch gesprochen wird. Klingt aber immer noch ähnlich und lässt sich daher sehr gut vereinbaren.

Wer in Jeolla eine Frage stellt, setzt 잉 an das Satzende. Aus 밥 믁어 wird automatisch: 밥 믁어잉? Das klingt auch direkt viel freundlicher, als in der normalen Aussprache. Hier kommen noch ein paar Beispiele zum dortigen Dialekt:

Seoul DialektJeolla DialektBedeutung
새우새비Shrimps
모기모구Mosquito
가위가새scissors
어제인자yesterday
기름지름(cooking) oil

6. Dialekt auf der Insel Jeju

Kommen wir nun zur Insel Jeju. Dadurch, dass dieses Gebiet vom Rest Südkoreas abgeschieden ist, hat sich über die letzten Jahrzehnte hinweg einfach eine ganz andere Sprechweise dort entwickelt. Anstatt einzelne Vokale oder Silben auszutauschen, gibt es oft ganz eigene Wörter für etwas. So, wie man einen Dialekt eben am besten kennt.

Seht euch die folgenden Beispiele dazu an:

Seoul DialektJeju DialektBedeutung
강아지강생이Welpe
고양기고냉이Katze
감자지실Kartoffel
고구마감저Süßkartoffel
잔디태역Gras
News Reporter
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