Zwischen Koreaboos & Fetisch-Anschuldigungen: Internationale Pärchen

Es ist ein Szenario, das immer häufiger auftritt und uns Sorgen bereiten muss. Internationale Pärchen werden immer häufiger Opfer einer neuen Form von Rassismus. Als würde es nicht bereits genügen, absurde Vorwürfe in Richtung Rassenverrat oder Morddrohungen zu erhalten, wird momentan mit Begriffen wie Koreaboo und Fetischismus um sich geworfen, als wäre es ein Gruß zum Guten Morgen.

Wir möchten nun ein Bewusstsein dafür schaffen, uns näher in die Thematik eines Koreaboos einarbeiten, als wir es im Artikel darüber getan haben, was Koreaner über Koreaboos denken und haben zu diesem Thema auch ein paar internationale Paare befragen dürfen.

Was ist überhaupt ein Koreaboo?

Bei einem Koreaboo haben wir es mit jemandem zu tun, der die koreanische Kultur über ein gesundes Maß hinaus bewundert. Es ist jemand, der seine eigene Identität, seine eigene Kultur am liebsten aufgeben würde, nur um selbst zu einem Koreaner zu werden. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn wir können uns nicht die eigene Herkunft nehmen. Und dennoch gibt es die Personen, die dies versuchen.

Hier ein paar Beispiele:

Das würde ein Koreaboo tunDas ist kein Koreaboo
Unpassend koreanische Begriffe in eine Konversation einbringen.Die koreanische Sprache aus reinem Interesse an der Sprache zu lernen.
Im eigenen Alltag koreanische Verhaltensweisen einbringen, um koreanischer zu wirken.Koreanische Höflichkeitsfloskeln (verbal sowie non-verbal) im koreanischen Raum anwenden.
Versessen darauf sein, in Korea zu leben, um ein Leben als Koreaner zu beginnen.Nach Korea auswandern, weil man einfach in dem Land leben möchte.
Ausschließlich mit einer koreanischen Person in einer Liebesbeziehung sein wollen.Sich in jemanden verlieben, der zufällig koreanischer Herkunft ist.

Kurzum: Ein Koreaboo glorifiziert die koreanische Kultur, ohne zumeist ein wirklich tiefes Interesse daran zu haben.

Die Differenzierung zwischen Koreaboos und Fetischisten

Nun wird es noch etwas komplexer. Ein Fetisch ist eine Vorliebe, die äußerst ausgeprägt ist. Es ist die emotionale Fixierung unserer Gesellschaft, die man nicht unbedingt als gesunde Einstellung wahrnehmen kann. Natürlich kommt das immer auf den genauen Kontext an, denn gewisse sexuelle Vorlieben können rein vom Sprachgebrauch als Fetisch bezeichnet werden. Hier muss man unbedingt eine Linie ziehen!

Ein Problem am Fetischismus auf eine Herkunft bezogen ist der Umstand, dass man sich zuerst darauf fixiert, woher ein Mensch kommt, bevor man sich überhaupt danach fragt, ob man die Person als solche sympathisch findet. Man beginnt denjenigen zu objektifizieren und das ist etwas, das man mit einem Menschen nicht tun sollte – darin sind wir uns sicherlich alle einig.

Wir alle haben eine Sache gemeinsam: Wir sind Menschen.

Jeder von uns hat einen Namen, ein Hobby und die meisten von uns sehen sich auch einem Geschlecht zugeordnet. Was wir also gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wir Menschen sind. Dieser Umstand sollte nicht an Relevanz verlieren, nur weil wir aus einem bestimmten Land kommen.

Ich habe nichts gegen Personen, die sich wirklich aufrichtig für die koreanische Kultur interessieren. Wenn ich aber mit Aussagen konfrontiert werde, dass man auf seinen koreanischen Prinz warte und jeder Mensch anderer Herkunft direkt uninteressant ist, dann ist das desillusioniert und naiv. So jemand versteht nichts von der Welt und beschränkt sein Weltbild auf wenige Eindrücke, die aus der Industrie des Unterhaltungskonsums stammen. Was ihr im koreanischen Reality TV und in KPOP seht, ist nicht das, was Korea zu 100 % ausmacht! Chanmi

Internationale Pärchen haben mit Rassismus zu kämpfen

Für internationale Pärchen ist es oft schon schwer genug, die verschiedenen Kulturen voneinander zu verstehen und im gemeinsamen Alltag nicht eine davon zu kurz kommen zu lassen. Oft sind die Eltern einer von beiden Seiten strikt dagegen, sei es nun aus Vorurteilen gegenüber der fremden Kultur oder aufgrund der Angst, dass die eigene damit vernachlässigt wird. Es sind die klassischen und zum größten Teil auch nachvollziehbaren Probleme einer internationalen – oder auch interkulturellen – Beziehung.

Auch der Rassismus ist für viele Pärchen in solcher Konstellation ein allgegenwärtiges Problem.

Plötzlich tauchen Fremde auf, die mit dem Finger auf das Pärchen zeigen und laut Koreaboo rufen.

Wir haben insgesamt mit 30 internationalen Pärchen während der Erstellung dieses Artikels Kontakt gehabt. Jedes von ihnen war eine heterosexuelle Konstellation, bei 23 der Pärchen war der Freund koreanisch, bei den restlichen 7 die Freundin. Jedem der Pärchen haben wir dieselben Fragen gestellt. Und das sind die Ergebnisse:

  • Wurdet ihr schon einmal mit dem Begriff Koreaboo konfrontiert?
    30 Pärchen antworteten mit ja.
  • Wurde dem nicht-koreanischen Partner Fetischismus vorgeworfen?
    28 Pärchen antworteten mit ja.
  • Empfindet ihr diese Vorwürfe als Rassismus?
    19 Pärchen empfinden dies als Rassismus,
    9 Pärchen sind zunehmend genervt davon, erachten es aber nicht als rassistisch
    und 2 Pärchen hatten darüber bisher noch nicht in diesem Kontext nachgedacht.
  • Wie stark ist euer Umfeld in die koreanische Popkultur involviert?
    16 der befragten Pärchen befinden sich in einem Umfeld, das sich stark auf die koreanische Popkultur konzentriert, während die übrigen 14 zumindest im privaten Umfeld offline keinen starken Bezug dazu haben.
  • Erfahrt ihr die Anschuldigungen häufiger offline oder online?
    29 der befragten Pärchen wurden online mit den Begriffen konfrontiert,
    während 1 Pärchen auch offline bereits als Koreaboo beschimpft wurde.

Die Ergebnisse wurden anonymisiert ausgewertet.

Was mich persönlich am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass man amerikanischen oder auch britischen Content, die Musik, kulturelle Facetten und auch berühmte Persönlichkeiten aus jenen Regionen offen bewundern darf, während jede andere Ethnizität aus mir unerklärlichen Gründen Hass schürt. Carina

Warum sollte man das als Rassismus bezeichnen?

Im Grunde ist es ja so: Wer voreilig jemanden als Koreaboo verurteilt, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob nicht am Ende ehrliche Gefühle der Grund für die Beziehung sein könnten, geht zu einem problematischen Schubladendenken über. Und genau das ist es am Ende, was Rassismus überhaupt erst in Gang bringt. Man beginnt, abzugrenzen. Menschen in Schubladen zu stecken, nur weil sie eine bestimmte Herkunft (nicht) haben.

Und unsere Befragung zeigt: Von 30 befragten Pärchen empfinden 19 und damit 63 % die Beschuldigung als Koreaboo als rassistisch.