Fakt Check: Will HYBE die Medien beeinflussen, nur positiv über BTS zu schreiben?
picture credit: HYBE Labels

Die Berichterstattung über BTS und deren mögliche Freistellung von Militärdienst geht in die nächste Runde. Momentan macht ein Post in einer Onlinecommunity groß auf sich aufmerksam. Verfasst wurde dieser von einem User, der zuvor im Büro von Sung Iljong (einem koreanischen Kongressabgeordneten) angerufen hatte, um sich über ebendiese Thematik zu beschweren. Er schrieb im Nachhinein recht detailliert, was er dabei besprochen hat und lud auch einen Screenshot hoch, der das Telefonat beweisen soll.

Anruf-Sung-Iljong

In seinem Post schrieb er unter anderem:

Es wird gesagt, dass BTS das nationale Prestige gefördert hat, aber ich bin mir nicht sicher, was sie konkret getan haben, um das nationale Prestige zu bringen. Als populäre Sänger sangen und führten sie Unterhaltungsaktivitäten unter einer Agenturfirma für ihren eigenen Erfolg durch. Gibt es spezifische Metriken darüber, was dies mit der Förderung des nationalen Prestiges zu tun hat?

Der Vertreter von Sung Iljong sagte, dass [der Künstler] aus Spaß auf Platz 1 der Billboards kommen muss, aber eine Idolgruppe namens Stray Kids hat vor einiger Zeit auch den ersten Platz auf der Billboard erreicht. Werden Stray Kids dann vom Militärdienst befreit? In einigen Ländern soll die Gruppe EXO beliebter sein als BTS, also unterliegen die EXO-Mitglieder auch der Militärfreistellung?

Auch Hirntumorkranke Anfang 20, die nicht einmal einen Cent in der Tasche haben, müssen ihre Wehrpflicht erfüllen. Warum ist es also gerechtfertigt, dass BTS ausgenommen wird? Weil sie einen guten Ruf haben? Weil sie viel Geld haben? Sind BTS-Mitglieder eine privilegierte Klasse in Korea?

BTS selbst hat bereits mehrfach öffentlich angekündigt, zur Armee zu gehen, und sie haben mit Songtexten vom Militär befreite Menschen verspottet und erniedrigt.

Ich kenne die lebenslange Philosophie des designierten Präsidenten Yoon Seokyul, dass alle gleich und gerecht vor dem Gesetz sein sollten, ob Präsident, Minister oder Chaebol.

[…]

Am Anfang sagte die Sekretärin, es gäbe Diskussionen darüber, dass nur BTS ausgenommen werden soll, aber als ich es widerlegte, sagte sie kein Wort mehr. Ich sagte, dass ich die Meinungen sammeln und sie direkt dem Abgeordneten Sung Iljong melden würde, also werde ich warten. Ich rufe noch einmal an, um zu protestieren, wenn sie nichts dagegen unternehmen.

Es ist generell nichts Neues, dass die Thematik für ziemliches Aufsehen sorgt. Ihr könnt auch hier sehen, dass es auf ansoko bereits zahlreiche Artikel zum Thema gibt. In der Regel werden BTS für das Thema stark instrumentalisiert, ob sie wollen oder nicht, wie ich etwa im Artikel über die KMCA beschrieben habe. Den findet ihr hier.

Was aber hat das mit dem Thema aus der Überschrift zu tun, dass HYBE angeblich die Medien beeinflussen will, nur positiv über BTS zu schreiben?

Am 10. April gab Lee Jinhyeong, CCO von HYBE, folgendes Statement bekannt:

BTS haben in der Vergangenheit wiederholt Nachrichten herausgegeben, in denen sie sagten, dass sie auf nationale Anrufe reagieren werden, und ihre Gedanken bleiben dieselben. In Bezug auf das Aufschubgesetz liefen die Dinge anders, als sie dachten, also beobachten wir die Situation des Unternehmens. Nach Vorlage des Wehrdienstgesetz-Änderungsentwurfs haben wir uns mit dem Unternehmen darüber beraten, wie diese Situation aussehen wird, und die Entscheidung dem Unternehmen überlassen.

Diese Aussage wurde im Rahmen einer Pressekonferenz getätigt, die am 9. April Ortszeit in den USA in Las Vegas stattfand. Zuvor wurden rund 100 Reporter dorthin eingeladen. Sämtliche Kosten, die dabei anfielen – von der Unterkunft über die Flugtickets bis hin zu Verpflegung und Testkosten zwecks Covid-19 wurden dabei vom Label getragen.

Aus diesem Grund wird dem Label nun vorgeworfen, dass es sich hier um Freundschaftsaufbau mit Medien handeln würde, um die Berichterstattung zur betreffenden Thematik dementsprechend zu beeinflussen. In weiterer Folge soll dadurch die öffentliche Meinung in Korea beeinflusst werden (da sehr viele lokale Reporter eingeflogen wurden), um die Freistellung überhaupt erst erreichen zu können. Aus manchen Ecken heißt es sogar noch detaillierter, dass sich BTS lediglich der öffentlichen Meinung beugen würden. Würde sich diese ändern, wären sie auch dazu bereit, sich positiv bezüglich einer Freistellung auszusprechen. Das würden sie im Moment lediglich wegen ihrem nationalen Stolz nicht tun – und um ihr Image als perfekte Vorzeigebürger nicht zu beschädigen.

Dass diese Aussage die erste derart direkte seitens HYBE zu dem Thema ist, wird dabei vielfach als Argument herangezogen.

Was ist an diesen Gerüchten dran?

HYBE dementierte umgehend, dass es sich hier um irgendwelchen Freundschaftsaufbau mit Medien handeln würde. Sie hatten zunächst gar nicht vor, während der Tour dieses Thema anzusprechen, da es sich aber dann so hochgeschaukelt hat, bezogen sie Stellung.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass ein Vermerk unter den Medienberichten zu finden sein würde, wäre die darin aufgeführte Meinung bezahlt. Das würde den Bericht schließlich auch zu einem Advertorial machen. So wird in der Medienlandschaft offengelegt, dass dafür Geld geflossen ist.

Trotz der Tatsache, dass die Gerüchte dementiert werden, bleiben die Stimmen der Kritiker aber laut. Shim Seoktae zum Beispiel, ein Professor an der Journalistenschule der Semyung Universität sagte am 11. April, dass ein spezielles Gesetz von 2016 Regelungen für so etwas vorsehen würde und es zwar nicht verboten wäre, all diese Kosten zu übernehmen, es seitens HYBE aber dennoch ein ungewöhnlicher Zug sei. Genauer heißt es seinerseits:

Es ist ungewöhnlich, dass HYBE so viele Auslandsgeschäftsreisen von Medienleuten unterstützt, und es ist auch ungewöhnlich, dass so viele Medienleute an einer solchen Veranstaltung teilnehmen. Wenn es in diesem Fall kein Problem gäbe, wäre es dasselbe, als würde man sagen, dass es keine Beschränkungen für die Bereitstellung von Annehmlichkeiten für Reporter gibt, ob in- oder ausländische, Unternehmen, Organisationen oder politische Parteien.

Obwohl (HYBE) die Reporter unterschiedslos und einheitlich unterstützte, erhielt HYBE die Bewerbungen der Reporter nicht über ihre Homepage, die von allen fair eingesehen werden konnte. In Wirklichkeit kann HYBE keine E-Mails an „alle“ Reporter senden, sodass ihnen keine andere Wahl bleibt, als ihr eigenes Auswahlverfahren durchzuführen.

HYBE hat sich nicht weiter zur Sache geäußert – ihrerseits scheint aktuell auch alles zum Thema gesagt zu sein. In koreanischen Medien wird die Sache nun aber dennoch weiter diskutiert. Da unter anderem Shim Seoktae darauf hingewiesen hat, dass es quasi unmöglich sei, alle Details zu kennen, wenn diese nicht nachträglich von HYBE offengelegt werden, dürften die Berichte darüber aber allmählich weniger werden.


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