Sympathy for Mr. Vengeance

Der taubstumme Ryu (Shin Hakyun) bangt um seine sterbenskranke Schwester (Lim Jieun). Diese ist dringend auf eine Nierentransplantation angewiesen. Das Geld dazu hat sich Ryu, der sein Studium abbrach und nun hart in einer Fabrik schuftet, bereits vom Mund abgespart, um seiner Schwester diese Operation finanziell zu ermöglichen. Doch als kein Spender in Sicht scheint und auch eine Nierenspende von Ryu selbst aufgrund seiner Blutgruppe nicht infrage kommt, beginnt er zu hadern. In seiner Verzweiflung wendet er sich an illegale Organschmuggler.

Schon gewusst? Sympathy for Mr. Vengeance ist der Vorgänger zum Film Oldboy.

Originaltitel
복수는 나의 것
Regisseur
Park Chanwook
Erscheinungsjahr
2002
Genre
Drama
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Filmdauer
121 Minuten
Schauspieler
Song Kangho als Park Dongjin

Shin Hakyun als Ryu

Bae Duna als Cha Yeongmi

Lim Jieun als Ryus Schwester

Han Bobae als Yusun

Da diesen sein Geld nicht ausreicht, wollen sie zusätzlich eine Niere im Tausch – und zwar seine. Ryu willigt ein. Nur um dann splitternackt und mit einer Narbe an der Seite aufzuwachen. Keine Spur von den Organschmugglern, die ihn übers Kreuz gelegt haben. Ironischerweise wird Ryu just danach informiert, dass nun ein Spender bereitstünde. Dumm nur, dass er das notwendige Geld nicht mehr hat. Doch da kommt seiner Freundin Cha Yeongmi (Bae Duna) eine Idee: Warum nicht ein im Grunde harmloses Kidnapping inszenieren, um nicht viel mehr als für die Operation nötig zu ergaunern? Gemeinsam „entführen“ die beiden die kleine Tochter des Geschäftsmanns Park Dongjin (Song Kangho). Doch gerade als diese Finte geglückt scheint, kommt es zu einer Reihe von Tragödien.

The Sound of Silence

Sympathy for Mr. Vengeance ist ein visuell durchweg kompetent und in Teilen hervorragend inszenierter Film. Für mich war aber das eigentliche Highlight das Sound Design, welches immer dann effektiv in den Vordergrund trat, wenn es als umgebender Kontrast zum taubstummen Ryu dargestellt wurde. In einer diesbezüglich besonders wirkungsvollen Szene wird sein Arbeitsalltag in der Fabrik gezeigt. Ein sehr geräuschvoller Arbeitsplatz. Alle müssen Gehörschutz tragen. Außer eben Ryu. Wann Pause und wann Schichtbeginn ist, erkennt er nur daran, wie sich die Anderen verhalten, da er die entsprechenden Signaltöne nicht hören kann.

In Szenen wie diesen wurde ich mir als Zuschauer, oder in dem Fall: als Zuhörer, der umgebenden Geräuschkulisse umso mehr gewahr. Weil mich mir ständig ins Bewusstsein gerufen wurde, dass Ryu all diese Dinge nicht hören kann. Etwas, was ganz klar von den Machern des Films so beabsichtigt war und wahnsinnig effektiv ist. Es vertieft auch die Charakterdarstellung von Ryu, der aufgrund seiner Verfassung immer etwas unbedarft erscheint, weil er sich einfach nicht normal ausdrücken kann. Er ist buchstäblich die am meisten missverstandene Figur im gesamten Plot.

Der Plot: Krude aber sehr effektiv

Der Film erscheint bis zu einem gewissen Punkt im Gewand einer zynischen Komödie. Gleichwohl aufgrund der Notlage von Ryus Schwester und dessen verzweifeltem Handeln alles zweifelsohne eine von Anbeginn tragische Dimension hat, liefert der Film doch zunächst einige Lacher. Als ich ihn das erste Mal sah, dachte ich zunächst, dass ich es hier mit einer besonders makabere Komödie zu tun hätte. Vage vergleichbar mit dem dänischen Film „Adams Äpfel“, der voll in dieses Horn bläst.

Doch als dann plötzlich ein Reihe von tragischen Verkettungen eine scheinbar unausweichliche Eskalationsspirale in Gang setzt, bleibt dem Zuschauer jegliches Lachen im Halse stecken. Der Film vollzieht circa nach dem ersten Drittel einen derart rabiaten und abrupten Wandel im Ton, der sich ganz und gar in den Dienst des Kernmotivs dieser Erzählung stellt: Rache um jeden Preis! Hier wird der Film von einer derben (aber keineswegs albernen) Komödie plötzlich zu einem jener tragischen Filme, für die das koreanische Kino nicht zu Unrecht gefeiert wird.

Rache ist nicht süß – sie ist bitter

Rache ist, wie schon der Titel erahnen lässt, das Leitmotiv des Films. Insofern ist der Film der Auftakt zur thematisch (nicht inhaltlich) lose verknüpften Rache-Trilogie des Regisseurs Park Chanwook. Rache ist ein Motiv, das sonst eher von Actionfilmen abgegrast wird. Dort ist Rache zumeist eine Art romantisierte Entschuldigung für die Gewalt, die unweigerlich folgt. Dem Zuschauer wird es leicht gemacht. Er darf einem Kampf für Gerechtigkeit beiwohnen und daran lustvoll und unhinterfragt als Voyeur teilnehmen.

Sympathy for Mr. Vengeance beraubt den Zuschauer dieser Illusion. Denn was die beiden Kernfiguren des Films (Ryu und Park Dongjin) anbelangt, gibt es hier kein Gut und kein Böse. Als Zuschauer wird man in die Vogelperspektive versetzt und kann die Motivationen und Fehler beider Hauptfiguren bestens nachvollziehen. Hilflos muss man dabei zusehen, wie alles vernichtende Rache diese beiden Figuren erfasst, ohne irgendetwas Anderes als herbe Gewaltausbrüche hervorzubringen. Unausweichlich und lähmend bahnt sich die Rache, nur um ihrer selbst Willen, einen Weg der Zerstörung.

Fazit

Sympathy for Mr. Vengeance ist ziemlich harter Tobak. Ein ganz sicher guter aber wirklich kein toller Film. Denn dieser Film hat etwas sehr Beklemmendes. Man muss schon wissen, worauf man sich hier einlässt. Die Handlung des Films verläuft letztlich so nihilistisch wie es der unbedingte Wunsch nach Rache abverlangt. Dies ist eine leichte Schwäche des Films, die verhindert, dass er mehr als „nur“ gut ist. Die Kernbotschaft wird hier so unmissverständlich eingehämmert, dass der Plot dadurch sehr reduziert wirkt, da sich alles in den Dienst dieser zentralen Symbolik stellt. Da waren die nachfolgenden Filme der Rache Trilogie, zumindest in Puncto Plot, doch raffinierter angelegt. Aber auf der anderen Seite passt diese reduzierte Unausweichlichkeit natürlich sehr zur Botschaft des Films: Rache bringt nur noch mehr Leid. Insofern ist das also Jammern auf hohem Niveau.

Gesamtbewertung
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Letzte Aktualisierung am 27.09.2020 um 05:22 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API