Stadt Seoul promotet Parasite-Drehorte und fährt rege Kritik ein
Ian Muttoo

Poverty Porn nennen es verärgerte Netizens. Die deutsche Übersetzung: Armutsporn. Aber worum geht’s und was verärgert die koreanischen Internetnutzer im Moment so sehr?

Die Stadt Seoul promoted aktuell die Drehorte des Oscar-Hits Parasite mit allen Mitteln. Es wird eine Tour angeboten, im Zuge dessen man die aus dem Film bekannten Treppen und Siedlungen besichtigen und fotografieren kann.

https://twitter.com/seoulmania/status/1226728703314386947

Da es sich aber im Grunde um ein Armenviertel handelt, fühlen sich viele Koreaner stellvertretend für die dort lebenden Bürger angegriffen. Einige der Kommentare lauten übersetzt:

  • “Es tut mir leid, aber wenn ich in dieser Nachbarschaft leben würde, wäre ich verdammt beleidigt.”
  • “Was haben die Bewohner dieser Gegend getan, um dies zu verdienen?”
  • „Was zur Hölle, Mann. Dies überschreitet die Grenze. Warum nicht das Leben von Menschen in Betracht ziehen, die in dieser Nachbarschaft leben?“
  • “Denken Sie an die Dinge, die die Touristen sagen werden, wenn sie die Nachbarschaft besuchen, und es wird Sinn machen, warum so viele Menschen dagegen sind.”
  • „Haben die Bewohner dem zugestimmt? Das möchte ich wissen.”
  • “Sehen Sie es so: Wenn Sie in einer Stadt leben würden, die in einem Film als von Superarmut betroffen dargestellt wurde, und all diese Leute kamen, um es sich anzusehen, wären Sie damit einverstanden?”
  • “Es spielt keine Rolle, dass das Set und die Nachbarschaft zwei getrennte Orte sind. In den Köpfen der Touristen ist dies der Ort aus dem Film, Punkt.”

Folgender Twitter-Nutzer ging dann so weit, das Ganze als Armutsporno zu bezeichnen:

Wenn Sie Moral hätten, wüssten Sie es besser, als das zu tun. Dies ist im Grunde Seoul’s Verkauf von Armutsporno.

Aber es gibt auch eine Gegenseite. Netizens, die festhalten, dass sich durch Parasite und die Promotion der Tourismus in jener Gegend häuft. Zumindest die dort angesiedelten Geschäfter profitieren stark davon. Insbesondere jene, die im Film auftauchen.

Was sagt ihr zur aktuellen Situation? Problematisch oder womöglich der erste Schritt zur Verbesserung der dortigen Verhältnisse?