One Hit Wonders – gibt es so etwas im KPOP eigentlich?

In der weltweiten Musikindustrie kennt man das One-Hit-Wonder als ein großes Phänomen. Ein Künstler, der nur einen einzigen seiner Titel in die Charts platzieren konnte oder der durch diesen bekannt wurde und man sonst nichts von ihm kennt. Über internationale Titel brauchen wir da gar nicht groß sprechen, euch werden sicher Beispiele einfallen. The Ketchup Song von Las Ketchup beispielsweise oder Somebody That I Used To Know von Gotye etwa.

Wie sieht das aber im KPOP aus, gibt es da solche Einhitwunder überhaupt?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die grundlegenden Unterschiede zwischen der westlichen und der koreanischen Musikindustrie einmal zusammenfassen.

Im KPOP gibt es viel häufiger Releases

Mindestens einmal im Jahr, bei engagierten Gruppen gerne auch mal mehrere Releases, die extra dafür schon in Minialben aufgeteilt werden, um es im Ernstfall häufiger in die Charts zu schaffen, weil man die Frequenz der Releases einfach erhöht. So eine Vorgehensweise findet man in der westlichen Musikwelt nur selten, ganz im Gegenteil gibt es nach einem erfolgreichen Album oft sogar sehr lange nichts Neues. Getourt wird dann einfach mit dem schon vorhandenen Material.

Koreanische Künstler müssen heutzutage auf ihren Debüt-Release setzen und hier schon etwas sehr Starkes präsentieren, da sie es mit einem hohen Mitbewerb aufzunehmen haben. Wird dieser zum Megaerfolg, zehrt in der Regel ihre gesamte nachfolgende Karriere davon. Das hat man sehr gut bei Shine von Pentagon gesehen oder auch bei Bboom Boom von Momoland.

Gerade in solchen Fällen wird dann gerne von den Labels übrigens gerne versucht, diesen Erfolg zu wiederholen und man setzt bei nachfolgenden Releases auf ein ähnliches Konzept.

Zwar knüpft das dann nur selten an den Megaerfolg des Debüts an, aber auch hier können sich Verkaufs- und Streamzahlen häufig sehen lassen. Es geht dabei in der Regel auch nicht darum, den Vorgänger zu übertrumpfen, sondern den Erfolg einfach nicht gleich abebben zu lassen. Und das wird mit dieser Vorgehensweise definitiv erreicht.

Nur wenige Gruppen überdauern die Zeit

Jeder von uns kennt die großen Gruppen, die es über Jahre hinweg gibt, die ihren Teil zur Hallyu Wave beitragen und auch schon mehrmals ihre Verträge beim Label verlängert haben. Die Regel ist das allerdings nicht, denn es gibt unzählige KPOP Gruppen und Indie Künstler, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach nur einem bis drei Releases wieder von der Bildfläche verschwinden.

Entweder streben die Member dann Solokarrieren an (bestes Beispiel Kiss&Cry) oder man hört einfach ewig nichts mehr von ihnen, bis die Agentur dann mal bekanntgibt, dass sie disbandet wurden. Und vereinzelt bekommt man nicht einmal diese Info.

Gruppen, die in dieser Zeit einen Hit-Release haben, können daher nicht als Einhitwunder angesehen werden, da sie ja noch mehr Musik als diese veröffentlicht haben müssten, damit sie überhaupt unter die Definition fallen können.

Richtige One-Hit-Wonders gibt es daher selten.

NU’EST waren mal ein Einhitwunder

Mit ihrem Debütsong Face haben sie ihrerzeit den Rekord gesetzt für die meisten Views eines Boygroup-Debüt-Musikvideos. Dennoch war der Erfolg zunächst nicht von Dauer. Sie brachten mehrere Songs heraus, die zwar sehr eingängig waren und deren Musikvideos auch eine gute Qualität hatten, schafften es damit jedoch nicht annähernd, an den Erfolgt anzuknöpfen.

Erst mit der Teilnahme von Minhyun bei Produce 101 und sein anschließendes Mitwirken bei Wanna One führte dazu, dass die Gruppe mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Heute kann man sie durch diese nachträgliche Aufmerksamkeit für ihre Releases nicht mehr als Einhitwunder bezeichnen.

Sehen wir uns daher nun einmal die Songs an, die wirkliche Einhitwunder waren.

One-Hit-Wonder #1: “Bar Bar Bar” von Crayon Pop

Was sind Crayon Pop nicht ulkig! Ihr Song Bar Bar Bar, den vermutlich einfach jeder kennt, der auch nur annähernd mit KPOP zu tun hat, stieg nur ein Jahr nach dem Debüt der Girlband so massiv in die Charts ein, dass sie über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt haben. Sie tourten mit Lady Gaga, hatten ihre eigene Kollaboration mit Ylvis während der 2013 MAMA und waren mit dem Song in den Billboard Charts auf Platz 1.

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Sämtliche Releases, die danach herausgebracht wurden, konnten an diesen Erfolg nicht anknöpfen. Obwohl sie eine ganz annehmliche Karriere in Japan hatten, lief 2017 ihr Vertrag mit Chrome Entertainment aus.

Songs, die ihr euch von Crayon Pop unbedingt einmal anhören solltet:

One-Hit-Wonder #2: “Way Back Home” von Shaun

Mit Way Back Home hat Shaun im Jahr 2018 nicht nur EXO in einer Musikshow ausgestochen und den Preis abgeräumt, er hat auch kurzzeitig BTS damit in den Charts eingeholt.

Shaun kennt man auch als den Produzenten und Keyboardspieler der Indie Rock Band The KOXX und als jemanden, der mit zahlreichen Künstlern bereits zusammengearbeitet hat. Darunter EXO, BTS, BLACKPINK und TWICE. Obwohl er schon seit 2010 im Business aktiv ist, hat er es bisher mit keinem Song auf den ersten Platz der Charts geschafft – und dann kam Way Back Home.

Der Song ging massiv durch die Decke, war in sozialen Netzwerken viral und wurde sogar im Fernsehen verwendet.

Bonus 1: “Not Spring, Love or Cherry Blossoms” von HIGH4 & IU

Der Song Not Spring, Love or Cherry Blossoms ist ein äußerst kurioser Fall, denn er war durch die Teilnahme von IU zunächst natürlich unglaublich erfolgreich. HIGH4 hingegen findet man in den Charts sonst nicht. Noch heute denken einige Leute, dass das gar kein Song von beiden Künstlern ist, sondern dass es rein ein IU-Song ist, bei dem zufällig ein männlicher Künstler mit angenehmer Stimme mitsingt. Dabei sind HIGH4, wie der Name schon verrät, eine vierköpfige Band!

Man kann den Song daher nicht wirklich als Einhitwunder bezeichnen, obwohl es der bislang erfolgreichste der Gruppe ist.

Bonus 2: “Hwi Hwi” von LABOUM

Viele sehen Hwi Hwi von LABOUM als Einhitwunder an, weil es danach keinen Song mehr von der Girlband gegeben hat, der so erfolgreich gewesen ist. Tatsächlich glauben sogar viele, dass sie mittlerweile disbandet sind. Dem ist aber nicht so. Leider macht ihre Agentur einen sehr schlechten Job dabei, sie richtig zu promoten, denn ihre Songs haben unheimliches Potential.


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