Jaebeols

Koreas Wirtschaft wird in erster Linie von Familienunternehmen angetrieben. Vereint sind sie alle unter dem Begriff 재벌 Jaebeol, welcher wörtlich übersetzt so viel bedeutet, wie „reiche Sippe“, „Klan“ oder vereinfacht ausgedrückt schlichtweg „Reichtum“ oder „Besitz“. Ohne die klassischen Jaebeols gäbe es heute nicht nur in Korea wesentlich weniger Betriebe, sondern auch der Rest der Welt wäre um einen entscheidenden Teil ärmer in Technologie und Fortschritt. Das Gegenteil davon sind서민 Seomin, die Normalbürger.

Nehmen wir als Beispiel bloß den allseits bekannten Konzern Lotte. Was einst als Kaugummiverkauf begonnen hat, wurde über die Jahre hinweg zu einem gigantischen Netzwerk. Mit verschiedenen Tochterfirmen beinhält dieses einstige Familienunternehmen heute unzählige Hotels, Kaufhäuser sowie Shopping Malls, Freizeitparks wie zum Beispiel das Lotte World und selbst eine ganze Burgerkette mit Namen Lotteria. Zurückzuführen ist die Tatsache, dass jene Konzerne oft familiengeführt sind, auf gesetzliche Grundlagen in Korea. Dennoch geraten die Jaebeols immer wieder in Verruf, da sich jüngste Familienmitglieder entweder wie auf dem hohen Ross benehmen oder schlimme Skandale über den Konzern hinwegfegen. Doch auch die ganz großen Unternehmen, wie etwa Samsung, LG oder Hyundai sind hierbei nicht ausgenommen.

So sind die Jaebeols entstanden

Aber wie kann das überhaupt sein? Wie sieht die gesetzliche Lage in Korea aus? Während der 1960er Jahre sind unter der Führung von Präsidenten Park Chunghee die Südkoreaner mit einer grundlegenden Neuorientierung ihrer gesamten Landeswirtschaft losgestartet. In einem teufelskreishaften Dreieck startete die Regierung den damaligen Anstoß des Entwicklungswunders, wodurch Südkorea letztendlich auch binnen weniger Jahre von einem Drittland zu so hoher Bedeutung gewinnen konnte.

Die Politik wandte sich mit strategischen Vorgaben an Unternehmen und stellte zugleich die Vorgaben für Kreditvergaben seitens der Banken. Dadurch erhielten die Unternehmen günstige Kredite und beschenkten die Politiker wiederum mit Spenden und Geschenken. Meistens handelte es sich hierbei um Geld oder andere wichtige Wirtschaftsgüter. Ringbeteiligungen und Exportsubventionen waren die Folge.

Ursprünglich mangelte es am meisten an Eigenkapital, weshalb dieser Vorgang überhaupt so stattgefunden hat. Durch die Kreditbegünstigungen gelang es den Familienunternehmen, diese reihenweise großzuziehen und in die Höhe sprießen zu lassen. Gleichsam starteten aber auch schlimme Korruptionsfälle. Manche von ihnen sind bis heute nicht geklärt.

Das sogenannte „Bermudadreieck der Korea Inc.“

Durch das direkte Zusammenspiel mit der Politik wussten sich die Jaebeols natürlich schnell zu helfen, wenn sie ein bestimmtes Anliegen hatten. Einige Beamte sowie auch zwei Präsidenten wurden um 2000 herum rechtskräftig deswegen verurteilt. Der offizielle Grund: Vorteilsnahme.

Im Jahr 2000 erreichte die Sache auch ihren großen Höhepunkt. Ein ganz einprägsamer Fall zu dieser Zeit war der Kredit in Höhe von rund 500 Mio. $, welcher von der Firma Hyundai an Nordkorea für die Durchführung des innerkoreanischen Gipfels weitergereicht werden sollte. Dabei sind allerdings 12,6 Mio. $ laut Angaben der Staatsanwaltschaft in den privaten Taschen des Kulturministers Park Jiwon gelandet. Zu jenem Zeitpunkt hatte Kim Daejung regiert.

Bis heute hat Korea mit Korruptionsproblemen zu kämpfen und die Wege der Jaebeols scheinen hier ihre Anziehungskraft nicht verloren zu haben.

Nach außen hin sind Südkoreas Bürger stets stolz auf die Erfolge der Unternehmen ihres Landes. Insbesondere Samsungs Kampf mit Apple um die Weltspitze der Technik ist etwas, das hier viele positive Worte erntet. Im Landesinneren allerdings wird stets gemahnt, jene Wege nicht weiter einzuschlagen. Seit 1997 versucht die südkoreanische Regierung gegen den Einfluss der Jaebeols vorzugehen und diesen weitestgehend einzuschränken.

Das sind die wichtigsten Jaebeols

  • Daewoo (Konkurs 1999)
  • Doosan
  • Hanjin (insolvent seit 2016)
  • Hanwha
  • Hyundai
  • SK Group
  • Kia (gehört nun zu Hyundai)
  • Kumho
  • LG
  • Lotte
  • Samsung
  • Ssangyong
  • CJ
  • Hansol
  • Saehan
  • Shinsegae
  • JoongAng Ilbo
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