Die Digitalisierung Südkoreas

Südkorea hat eine hervorragend ausgebaute IT-Infrastruktur. Das liegt einerseits an der Bevölkerung, die sich für Technik und für neue IT-Produkte begeistert. Andererseits trägt die Regierung einen wichtigen Teil dazu bei, denn sie unterstützt die Konzerne bei ihren Umsetzungen. 2017 hat man eine Digitalisierungsstrategie entwickelt und im Innovationsprogramm 5th National Informatization Master Plan und im National Informatization White Paper festgehalten. Hauptverantwortlich für den Weg nach vorne sind die Konzerne der Privatwirtschaft, hier sind vor allem Samsung und LG zu nennen. Aber auch durch diverse Programme und Initiativen der Regierung kommt die Digitalisierung in der Wirtschaft und Gesellschaft an.

Ein entscheidender Punkt, um die Digitalisierung nach vorne zu bringen, ist die Funktionalität. Durch die Digitalisierung wird vieles schneller und einfacher (ein gutes Beispiel stellt die E-Mail dar, sie ist im Vergleich zu einem Brief in Echtzeit beim Empfänger), manchmal kommt es jedoch zu unvorhersehbaren Problemen. Damit ist beispielsweise der 24-Stunden-Blackout vom November 2018 gemeint, der durch einen Brand in einem Kabeltunnel ausgelöst wurde. Die Folge: Manche Teile von Südkorea waren von der digitalen Welt abgeschnitten, selbst Krankenhäuser blieben nicht verschont. Der digitale Ausbau soll natürlich stattfinden, allerdings darf das Risiko von Ausfällen nicht vergessen werden.

Die moderne Metropole will nach vorne

Man merkt in mehreren Hinsichten, dass Südkorea bei der Digitalisierung ganz vorne mitspielen will. Ein entscheidender Faktor ist das öffentliche Budget, das einen wichtigen Einfluss auf das „innovative Wachstum“ hat. Während es in manchen Fällen zu Kürzungen kommt, hat das Land die gegenteilige Maßnahme ergriffen. Und zwar nicht zu kurz, 2019 stieg das Budget um satte 65 Prozent an. In Zahlen ausgedrückt sind es 4,4 Milliarden US-Dollar. Die Bereiche sind natürlich vielseitig, so wird zum Beispiel in Big Data, Smart Factories, Künstliche Intelligenz, Blockchain und in autonome Fahrzeuge investiert. Intelligente Fabriken werden sogar schon seit 2015 gefördert, Ziel sind 30.000 Smart Factories bis 2022.

Auch die Schulbildung wird nicht vergessen

In Korea hat Bildung einen sehr hohen Stellenwert. Beispiel: Die Hälfte des Einkommens der Eltern wird in die Ausbildung der Kinder gesteckt. Sie sollen nicht nur die halbjährlichen Prüfungen gut abschneiden, sondern auch den Aufstieg auf eine Elite-Hochschule schaffen. Die Regierung sieht es ähnlich und nimmt für die Bildung etwa ein Viertel des gesamten jährlichen Budgets in die Hand. Zum Vergleich: In Japan oder Deutschland sind es „nur“ zwischen 10 und 15 Prozent. Besonders viel wird in Schulbücher (sie sollen immer mehr digitalisiert werden) und ins E-Lernen gesteckt. Der Erfolg ist dabei nicht zu übersehen, alle Schulen in Korea sind online und die Lehrer können mit digitalem Lernen umgehen.

Einen Missstand gibt es laut Bae Smith Misoo (eine emeritierte Mathematikprofessorin) aber. Und zwar wird im koreanischen Schulsystem der Fokus viel zu sehr auf das Auswendiglernen gelegt. Viele Schüler wissen zwar über die Fakten eines Themas Bescheid (welches im Unterricht aufgegriffen wird), den Sinn verstehen sie jedoch häufig nicht. Ähnlich sieht es auch bei offenen Fragen auf. Haben die Schüler noch nie etwas davon gehört, dann sind sinnvolle Antworten darauf eher die Ausnahme.

Die Digitalisierung Südkoreas hat Vor- und Nachteile

Unterm Strich ergeben sich durch die Digitalisierung Vor- und Nachteile. Positiv ist zum Beispiel, dass dadurch in der Wirtschaft und in der Gesellschaft vieles schneller und effizienter abgearbeitet werden kann. Fabriken beispielsweise können in der gleichen Zeit mehr produzieren. Negativ wiederum ist, dass es Zeit braucht und viel Geld verschlingt. Am Ende überzeugen aber die Vorteile und die Digitalisierung in Südkorea wird noch lange ein Thema sein.


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