Kyok Pa

Wenn Holzbretter mit gezielten Handkantenschlägen oder bloßen Füßen zerteilt werden?Vermutlich stellt der Bruchtest das spektakulärste Element im klassischen Taekwondo dar. Eine Disziplin, die nicht allein bei Vorführungen, sondern auch bei Prüfungen gezeigt wird. Doch auch im Hapkido kann ein Kyok Pa (andere Schreibweisen sind möglich), abhängig von der jeweiligen Stilrichtung und dem Verband, obligatorischer Bestandteil für eine höhere Graduierung sein. Damit darf der Bruchtest für die koreanischen Stilrichtungen als durchaus charakteristisch gelten, während das Zerschlagen von Brettern oder Ziegelsteinen im Karate (hier Tameshiwari genannt) lediglich zu besonderen Anlässen gezeigt wird …

Doch worin liegt das Ziel jener Übung, die auf Außenstehende so spektakulär wirkt?

Kraft und Wille bündeln: Nun, natürlich soll dabei auch (aber nicht ausschließlich!) die körperliche Leistungsfähigkeit und Schlagkraft demonstriert werden. Denn nur wenn Kraft, Geschwindigkeit und Auftreffwinkel stimmen, wird der Bruchtest zum Erfolg führen.

Dabei wirkt es auf Zuschauer umso spektakulärer, wenn der Bruchtest, wie das gesamte Training, mit nackten Füßen erfolgt und / oder das Element von weiblichen Schülern vorgeführt wird. Auch Bruchtests, bei denen Ziegel oder gar Kieselsteine zerschlagen werden, führen in aller Regel dazu, dass in den Zuschauerrängen „andächtige“ Stille einkehrt.

Dennoch sollte kein Bruchtest im Sinne einer Kraftmeierei gezeigt und vorgeführt werden. Denn das widerspricht dem Geist der Kampfkünste, die per se defensiv sind. Nicht umsonst beginnt jede Hyong oder Poomse mit einem Block, wenngleich, im Verlauf der Form, alle imaginären Angreifer „neutralisiert“ werden.

Foto von Peter H.

Das eigene Durchsetzungsvermögen demonstrieren: Der Kyok Pa besitzt daher, wie das gesamte Tae Kwon Do, einen tieferen Sinn. Tatsächlich lassen sich schwierige Bruchtests nur dann meistern, wenn Körper und Geist in Einklang sind. Daher kommt es nicht minder auf die innere Haltung des Ausführenden an. Erst Mut, Wille und Konzentration führen, zusammen mit der korrekten Technik, zum Ziel!

Etikette und Ausführung: Dabei gilt auch für den Bruchtest jene Etikette, die im normalen Trainingsalltag gezeigt wird. Die Abläufe werden sich daher in den meisten Sportschulen und Vereinen ähneln: Der Lehrer oder der Übende selbst sagt die Technik an, die gezeigt wird. Natürlich auf Koreanisch.

Dabei wird bei Anfängern in aller Regel mit einem Sidekick (Yop Chagi) begonnen, da hier das Verletzungsrisiko minimal ist. Bei manchen Verbänden wird dieser Bruchtest übrigens bereits für den Gelbgurt gefordert; es kann aber auch üblich sein, dass Bruchtests erst ab dem grünen Gürtel gezeigt werden.

Nach der Ankündigung der Technik, verbeugt sich der Ausführende vor seinem Trainer und / oder den Prüfern. Ein Ritual, das auch im ganz normalen Training vor jedem neuen Übungspartner ausgeführt wird. Quasi das „Versprechen“, respektvoll miteinander umzugehen.

Ggf. kann der Prüfling das Brett noch einmal ausrichten, falls es von den Bretthaltern ungünstig positioniert wird. Denn deren Aufgabe (Ausrichtung des Brettes und Standsicherheit) sollte keineswegs unterschätzt werden.

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, wird der Bruchtest mit höchster Konzentration und Konsequenz ausgeführt. Wichtig ist dabei, dass der unbändige Wille durch einen so genannten Kihap (Kampfschrei) unterstrichen wird.

Tatsächlich gibt es Prüfer, die einen Bruchtest oder eine Wettkampftechnik, die ohne Kampfschrei ausgeführt wird, selbst dann nicht werten, wenn sie eigentlich zum Erfolg geführt hat.

Foto von Peter H.

Erfolge und Misserfolge: Auch die Anzahl der Versuche kann in Abhängigkeit von Verband und Schule variieren. Einige Prüfer lassen, zumal bei höheren Gurtprüfungen, nur einen einzigen Versuch zu. Andere Meister argumentieren, dass der Bruchtest, gemessen am Ganzen der Kampfkünste, dann doch zu unbedeutend sei, um eine ansonsten gute Prüfung zu beeinflussen.

Materialien: Üblich sind Bretter mit den Maßen 30 auf 30 Zentimeter, die 1 bis 3 Zentimeter dick sind. Denn natürlich wird man, zumal bei Kindern (manche lehnen Bruchtests bis zu einem gewissen Alter generell ab), nicht gleich mit den schwierigsten Bruchtests beginnen.

Einige Verbände und Stilrichtungen sehen auch für Frauen oder ab einem gewissen Alter reduzierte Brettstärken vor, während in anderen Organisationen der Unisex-Gedanke zählt und alle Bretter gleich dick sind.

Schwierigkeit nach oben offen!

Doch es ist nicht allein die Brettstärke, von der die Schwierigkeit des Bruchtests bestimmt wird. Schließlich könnten die Techniken auch im Sprung gezeigt werden. Denkbar sind zudem Bruchtest auf frei oder selbst gehaltene Bretter; Fortgeschrittene und Schwarzgurte zeigen zudem Reihenbruchtests oder Bruchtests auf zwei oder mehrere übereinander gelegte Bretter.

Wichtig für den Erfolg ist übrigens auch, dass der anvisierte Zielpunkt einige Zentimeter hinter (!) dem Brett liegt.

Vorsicht ist geboten: Natürlich muss jenes Körperteil, das den Bruchtest zeigt, entsprechend abgehärtet und angespannt sein. Ein Ap Chagi (Frontkick) oder Rundkick (Tollyo Chagi) wird mit dem Fußballen ausgeführt. Insofern müssen die Zehen angezogen werden; Nachlässigkeiten können hier fatal sein.

Natürlich sollten Kinder, aufgrund des noch nicht abgeschlossenen Knochenwachstums, keine anspruchsvolle Bruchtests zeigen. Auch Bruchtests mit der Hand dürfen in aller Regel erst mit dem Erreichen einer bestimmten Gurtfarbe gezeigt werden.

Wichtig ist, dass weder die Trainer noch der Ausführende einen falschen Ehrgeiz zeigen. Verantwortung und Vorsicht stehen stets an erster Stelle. Zurecht schließen daher viele Fingerstiche als Bruchtestvariante kategorisch aus, da hier bereits bei den vorbereitenden Übungen (trainiert werden die Stöße meist in sand- oder kiesgefüllte Eimer) die Nägel und Gelenke Schaden nehmen könnten!

News Reporter
Als Journalist und Foto-Reporter bin ich, neben meinen Aufträgen für die Regionalpresse, für Gewerbebetriebe und Vereine, auch für die „Taekwondo aktuell“ und weitere Sportpublikationen tätig. Zudem unterrichte ich meine eigene Gruppe in Taekwondo und Selbstverteidigung und trage, neben dem Schwarzgurt in Taekwondo, den 4. Dan Hapkido und den 3. Dan Aikido.
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