Han-Style

Was ist Han-Style? Gerade aufgrund seiner kulturellen Vielseitigkeit sowie einer angenehm anmutenden Andersartigkeit, sorgt der asiatische Raum bei Europäern für Faszination. Dann und wann schwappt gar eine Welle geballten Kulturguts zu uns hinüber und zieht uns – oft für lange Zeit – in ihren Bann. Wer erinnert sich nicht an die 90er-Jahre, als japanische Mangas und Animes kaum jemandem KEIN Begriff waren?

Zeitgleich mit der Jahrtausendwende verschaffte sich auch die koreanische Kultur Gehör in Europa. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Koreanische Musik (als Hansori oder Haneumak bezeichnet) boomt(e) und mit ihr Filme aus dem Drama-Genre. Die dort zu sehenden traditionellen Gewänder (Hanbok) bezaubern nicht nur kleine Mädchen! Und weil Strömungen manchmal gar mehrere Schätze anspülen, gesellten sich gleich noch Papier (Hanji), Schriftzeichen (Hangeul) und Immobilien (Hanok) dazu. Nachdem grenzenlose Kultur durchaus hungrig machen kann, hielt die koreanische Küche (Hansik) ebenso Einzug in den europäisch-koreanischen Dunstkreis.

Diese sechs kulturellen Bereiche bilden gemeinsam ein großes Ganzes, das man auch als Han-Style bezeichnet.

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Hanbok hat in Korea eine lange Geschichte. Zu Feierlichkeiten und besonderen Anlässen finden sich Koreaner in der klassischen Tracht ein. Qualitativ hochwertige Stoffe und aufwendige Gestaltung haben ihren Preis. Schließlich handelt es sich um entsprechende Einzelstücke. In den ländlicheren Gegenden Koreas sind ältere Herrschaften häufig traditionell in Hanbok gehüllt anzutreffen.

Die klassische koreanische Tracht besteht bei den Männern aus Hose (am Knöchel gebunden) und Jacke. Traditionellerweise aus Hanf gefertigt, kann die Kombination im Sommer auch von Ramie-Stoffen (Chinagras) abgelöst werden. Im Winter machen Weste und Mantel das Outfit komplett.

Hanbok für Frauen ist nicht nur um einiges aufwendiger, sondern auch farbenfroher gestaltet. Unterhemd und lange Unterhosen werden durch einen Unterrock ergänzt. Darüber entfaltet sich das Schmuckstück: der weite Rock (Chima), der bis zur Brust reicht und unter dieser gebunden wird. Die kurze Jacke mit auffallend weiten Ärmeln wird mit Hilfe einer großen Schleife vor der Brust geschlossen. Je nach Wetterlage ergänzen Hosen das Ensemble. Die Gewänder bestehen aus Seide oder Ramie und fallen bei unverheirateten Frauen farbenfroher aus. Ein gesetzteres Alter spiegelt sich in gemäßigter Farbenpracht der Tracht wider.

In der koreanischen Modewelt setzt man alles daran, Hanbok gerade auch für den internationalen Markt alltagstauglich zu machen. Ganz nach dem Motto „Kultur trifft Moderne“ dürfen ausgeklügeltes Design und Variationen in Material und Länge nicht fehlen. Passende Accessoires peppen die traditionelle Tracht auf und verleihen ihr einen Hauch von Westen. Und somit ist Hanbok auf (internationalen) Laufstegen auch längst keine Seltenheit mehr!

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Nichts fasst international so schnell Fuß wie kulinarische Genüsse, sofern sie das Aroma des gewissen Etwas verströmen. Und das ist bei Hansik ganz eindeutig der Fall!

Gerade die Einfachheit der Speisen und das Spiel mit traditionellen Zutaten und Gewürzen machen Hansik zu etwas Besonderem.

Reis, Fleisch und Beilagen sowie Suppen und Eintöpfe bilden hier die Basis. Die koreanische Küche gilt als ausgesprochen gesund und gut verdaulich. Fermentation ist hier das Zauberwort!

Kimchi – das durch Milchsäuregärung zubereitete Gemüse – darf in der koreanischen Speisenvielfalt nicht fehlen. Auch Zubereitungen aus Sojabohnen (Tofu, Sojasauce, Sojapaste) sind Standard am reich gedeckten Tisch, ebenso wie Fisch, Meeresfrüchte und Seetang.

Fleisch wird kleingeschnitten zubereitet. Schwein oder Rind sind besonders beliebt. So lässt man sich mit Vorliebe Bulgogi schmecken, fein geschnittenes, mariniertes Rindfleisch, das kurz angebraten wird.

Die koreanische Küche zeichnet sich durch bewusste Zubereitung aus. Man dämpft, gart, kocht und brät kurz an. Außerdem wird auf unnötige Fettbeigabe verzichtet.

In Riesenschritten hat Hansik den europäischen Markt erobert und es sich dort gemütlich gemacht! Kochbücher, Kochkurse, eigene Supermärkte und natürlich eine Vielzahl klassischer koreanischer Restaurants laden ebenso zum Schlemmen ein wie Food-Festivals.

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Hanok – das traditionelle koreanische Haus – fasziniert Europa. Und die Baubranche profitiert davon! Architekten zeichnen Hanok-Grundrisse, während Installateure Ondol einbauen, die klassische koreanische Fußbodenheizung.

„Im Einklang mit der Natur“ ist hier das Motto und entsprechend viele Naturmaterialien kommen demnach zum Einsatz. Lehm, Holz und Naturstein werden ebenso verbaut wie verarbeitetes Hanji, das Fenster und Türen verkleidet.

Die Räume sind offen gestaltet und miteinander verbunden. Optimale Luftzirkulation soll so gewährleistet werden. Das Dach mit seinen speziell heruntergezogenen Ecken (Cheoma) sorgt für Beschattung der Innenbereiche.

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Das koreanische Alphabet – seit 1910 offiziell als Hangeul bezeichnet – erfüllt den Koreaner zu Recht mit Stolz. Entwickelt 1443, mit dem Ziel ein leicht erlernbares Alphabet zu schaffen, sorgt es bis heute dafür, dass Korea die geringste Analphabetenrate sein Eigen nennen darf. Kein Wunder also, dass die UNESCO Hangeul zum Teil des „Gedächtnis des Weltkulturerbe“ ernannt hat!

14 Konsonaten und 10 Vokale werden (von den ursprünglich 17 Konsonanten und 11 Vokalen) genutzt. Und das auch gerne in Europa! Durch den koreanischen Einfluss erfährt das Erlernen der Landessprache nämlich immer größere Bedeutung.

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Jedes Jahr am 9. Oktober huldigen die Koreaner ihr Alphabet übrigens im Rahmen des Hangeul-Tages.

Bücher, Hefte, Notizblöcke, Puppen, ja, sogar Fenster und Türen: Es gibt nichts, wo das traditionelle koreanische Papier – Hanji – nicht zum Einsatz kommt. Und das ist auch gut so, denn vielerorts macht es sich ganz hervorragend.

Durch seine luftdurchlässige und dennoch sehr widerstandsfähige Eigenschaft sticht Hanji heraus. Entsprechend verarbeitet, verkleidet es Türen und Fenster. Hier verfügt es über lichtfilternde und isolierende Eigenschaft.

Seiner Langlebigkeit (über 1000 Jahre!) ist es zu verdanken, dass viele historische Bücher in beeindruckend gutem Zustand erhalten sind. Seine Widerstandsfähigkeit schützte in der Vergangenheit gar so manchen koreanischen Soldaten vor Verwundung durch feindliche Speere. Einfach mehrere Schichten Hanji übereinander getragen, sorgten nämlich für eine ganz besonders stilvolle Rüstung.

Neben Dekoration, Geschenk- oder Briefpapier findet Hanji sogar als Spielzeug Verwendung. Hanji-Puppen sind in Korea sehr beliebt! Und auch verschiedene Hanji-Museen und Läden, in denen sich Produkte aus dem besonderen Papier herstellen lassen, locken.

Hansori – traditionelle koreanische Musik – ist vor allem eines: gefühlvoll! Grundsätzlich können zwei verschiedene Richtungen unterschieden werden, die heutzutage Einfluss auf die koreanische Pop-Musik nehmen.

Jongmyo Jeryeak, die traditionelle Musik am Königshofe, sollte Ruhm und Ehre repräsentieren und klingt dementsprechend pompös und prächtig. Demgegenüber steht die Musik des gemeinen Volkes: Volkslieder oder Pansori. Hier sind Tradition, Inhalt (Pansori erzählen Geschichten!), Rhythmus und Gesang herausragend.

Aktuelle koreanische Pop-Musik bedient sich beider kultureller Einflüsse. Kultur und Moderne werden zu Fusion-Musik verbunden. Ein Trend, der längst auch in Europa angekommen ist.

News Reporter
Daniela J. schickt ihre Fantasie seit 1983 auf Reisen. Große Liebe zu allem Geschriebenen seit Ewigkeiten, vermehrte Hinwendung zum Selbstschreiben seit der Karenz mit dem zweiten Kind 2012. Sammelt Ideen, Figuren und Wortkreationen zwischen verschüttetem Saft und faszinierenden Legobauten ein. Oder während der Arbeit im psychosozialen Bereich. Oder im Schlaf. Eigentlich in jeder Minute ihres Lebens.
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