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Schulsystem

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Jedes Land verbirgt hinter seiner Fassade oftmals ein ganz anderes Schulsystem, als man es womöglich aus der eigenen Heimat kennt. In diesem Artikel gehen wir erst einmal ein wenig näher darauf ein, wie es sich mit der Schule an sich in Korea verhält. Auf den dort vorherrschenden und durchwegs stressigen Alltag wird in einem extra Artikel eingegangen.

Am Ende des Beitrags findet ihr im Übrigen noch eine schön übersichtliche Aufstellung über das gesamte Schulsystem, davor erkläre ich euch einige Dinge im Detail.

Der Kindergarten stellt in Korea eine optionale Möglichkeit dar. Die meisten Familien ziehen es vor, ihre Kinder so lange als möglich bei sich zu Hause zu behalten. Kinder, die dennoch den Kindergarten besuchen, werden spätestens zum dortigen Abschluss für eine Aufführung vor großem Publikum verdonnert.

Dadurch wird vielen der Familien ein Gefühl darüber vermittelt, dass dies womöglich die letzte große Möglichkeit sein wird, in der ihr kleiner Knirps auch wirklich noch einer ist.

Songs, welche die Kinder bei dieser Abschlussfeier performen, werden zuvor tage-, wenn nicht sogar wochenlang während der Stunden nebenher gesungen und dadurch regelrecht bis zur Perfektion einstudiert, in denen die Kinder in einer großen Runde über ihren Arbeitsbüchern hängen.

Uniformen werden in der Regel erst ab den Stufen der Hochschule getragen. Davor gehört dies prinzipiell nur in höchst elitären Einrichtungen zum normalen Tagesgeschehen.

Ab einem Alter von 6 Jahren geht es dann auf die Grundschule. Bereits in dieser Schulsparte auf eine hoch angesehene Schule zu gelangen, ist in Korea im Übrigen etwa vergleichbar wichtig, wie man sich in Amerika nach dem perfekten College sehnt.

Zuerst wird sich darum beworben, dann folgen Aufnahmetests und schließlich kann man entweder mit dem Erfolg angeben oder muss sich dafür schämen, nicht die Schule besuchen zu können, in der einen die eigenen Eltern gerne gesehen hätten. In einem Land, wo ein solcher Leistungsdruck herrscht, möchte man sich nur ungern ins schlechte Licht rücken lassen. Und schon gar nicht durch so etwas, das laut den dortigen Ansichten womöglich sogar die Familienehre trügt.

Bereits in jener Schulstufe wird mit sehr hochwertigen Unterrichtsfächern begonnen, denn in Korea wird von Anfang an ein Bild darüber vermittelt, dass Wissen und damit Intelligenz gleich Macht bedeutet.

Jeder Klassenraum ist mit sehr aktueller Technik ausgestattet. Ein in der Ecke oder auch an der Decke angebrachter Flat-TV ist mit dem PC oder teilweise auch oft dem Laptop verbunden, der sich am Lehrerpult befindet. Dieser verfügt übrigens nicht über einen Stuhl, denn der Lehrer schreitet entweder durch den Klassenraum oder steht vorne am Pult. Er (oder auch sie) sitzt nicht, um jeden Schüler so besser im Auge behalten zu können und damit auch das Respektsgefühl zwischen sich und den Schülern besser aufrecht erhalten zu können.

의 사진 Jinho.Jung

Eltern, die ihre Kinder noch besser in gewissen Schulfächern unterrichtet haben möchten (oftmals handelt es sich hier um Englisch), schicken ihre Kinder in ein 학원 Hagwon, was einem Nachhilfeunterricht gleicht. Hierbei handelt es sich um  bezahlte Institute, die privat betrieben werden.

In teils sehr großen Räumen herrscht hier absolute Stille. Einzig ausgenommen davon ist der Vortragende, dem alle Anwesenden lauschen, um sich wichtige Notizen zu machen und dadurch bessere Punktestände bei ihren Tests zu erzielen.

Zum Teil werden selbst Kinder, die noch gar nicht zur Schule gehen, sondern erst den Kindergarten besuchen, in ein solches Institut geschickt. Dadurch ist es keine Seltenheit, dass die Kleinen bereits im Kindesalter oft englische Basics beherrschen.

Selbst für Erwachsene gibt es solche Einrichtungen, vergleichbar mit Vorbereitungskursen hierzulande, die uns auf wichtige Prüfungen, wie Lehrabschlüsse oder Führerscheinprüfungen vorbereiten. Um zum Beispiel den Führerschein oder gar dem richtigen Arrangieren von Blumenkränzen geht es in einem Hagwon für Erwachsene.

Ab der High School und damit der dritten Etappe in der Laufbahn eines koreanischen Schülers kommen die Uniformen zum Einsatz. Dass auch jeder Schüler die seine trägt, wird seitens des Lehrpersonals streng überwacht und oftmals bestraft, sollte jemand aus welchem Grund auch immer in Alltagskleidung zur Schule kommen.

Die High School selbst spaltet sich hier nun in drei wichtige Hauptteile auf. Jede Sparte davon ist entscheidend für einen anderen Aspekt des weiteren Lebens vom Schüler.

In einer gewöhnlichen High School gibt es nichts Wichtigeres, als den Aufnahmetest für das College am Ende dieser eher kurzen Etappe von drei Jahren zu bestehen. 수능 Suneung wird dieser Test genannt und im Grunde stellt er den wichtigsten Tag eines jeden Koreaners dar, der später ein College besuchen und dort sein Diploma machen möchte.

Selbst nach dem Unterricht begeben sich die Schüler ab dieser Etappe in eigene Räumlichkeiten innerhalb der Schule, über welche eine regelrechte Schweigezone verhängt worden ist, damit sie in Ruhe lernen können. Bis in den späten Abend hinein verbringen Schüler dort ihren Tag, weshalb man nicht selten davon spricht, dass koreanische Schüler oftmals einem 16-Stunden-Schulalltag unterliegen.

Zum Teil werden solche High Schools noch nach Geschlechtern aufgeteilt. Besonders in den ländlicheren und damit auch noch äußerst konservativen Gegenden ist das selbst heute keine Seltenheit mehr.

Die Qualität jener High Schools ist im Übrigen sensationell gut. Selbst international erreichen sie welche der höchsten Werte des gesamten Bildungsindexes und führen daher dementsprechend hohe Standards, auch unter ihren Schülern.

의 사진 thehanky

Dann gibt es da noch die High Schools, welche eine kommerzielle Schiene betreten. Kim Kyungsook, der selbst eine solche besucht, war so freundlich und hat mir darüber ein bisschen was erzählt, das ich euch von ihm übersetzen darf:

„Wenn Leute sich Doramas ansehen, dann bekommen sie immer nur ein Bild von den ganzen normalen High Schools. Es schmerzt etwas, zu wissen, dass die Commercial Schools, wie wir sie hier nennen, kaum ein Ansehen genießen und oft nur von den Leuten der anderen High Schools belächelt werden.“

Es handelt sich um Schulen, die bei uns etwa mit Berufsschulen vergleichbar sind. Völlig berufsnah wird man hier nicht nur auf die Theorie des späteren Berufs vorbereitet, den man anstreben möchte. Natürlich ist so eine High School nicht für jeden etwas, denn etwa Arzt oder Anwalt wird man auf diesem Weg nicht werden.

„Wir werden auf dieser Schule darin unterrichtet, was man später für das Leben braucht. Entweder Handelsbetrieb oder Haushaltstätigkeiten, Technologie und auch Farmerarbeit sowie Fischen wird uns hier gelehrt.“

Vergleichbar also mit dem technischen Werkunterricht und etwa einer Handelsschule, wie ich sie aus Österreich kenne, ist das hier also die gewissermaßen strengere Variante davon. Diese fünf Bereiche werden auf jenen Schulen abgedeckt, welche die letzten beiden Jahre der High School abdeckt. Besucht man also diese High School, steigt man im zweiten Jahr auf sein Spezialgebiet um, das man zuvor zum Ende des ersten Schuljahrs gewählt hat.

Denn unabhängig davon, was für einen Berufswunsch die Schüler nun genau im späteren Leben anstreben – ob es nun Koch oder gar Automechaniker ist – alle Schüler, die direkt nach der High School in das Berufsleben einsteigen möchten, ohne zum College zu gehen, haben hier die Möglichkeit, sich eben darauf vorzubereiten.

„Ich hoffe, dass sich diese Schule später in meinen Bewerbungen gut macht, da ich damit ausstrahle, dass ich gleich von Anfang an ein Ziel vor Augen gehabt habe. Meine große Angst ist nämlich, dass man mich für faul hält – und um ehrlich zu sein, bin ich auch nicht unbedingt der große Fan vom Lernen.“

Leider ist es trotz der Tatsache, dass sich diese Schulen auf gewisse Berufsbilder spezialisieren, noch eher verpönt, wenn man solch eine Schule besucht. Man würde nichts aus sich und seinem Potential machen, heißt es dann schnell einmal.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die eher ausländisch orientierten High Schools, die sich wie die Commercial High Schools auf gewisse Bereiche spezialisieren, hier zum Teil aber sogar auf die Eliteberufe ausgerichtet sind. Wer etwas Großes aus sich machen möchte und sich damit dann im Ausland verwirklichen will, besucht eine solche Schule.

Meistens handelt es sich hierbei um Wissenschaftsschulen oder um welche, in denen alle möglichen Sprachen unterrichtet werden – angefangen bei Englisch, über Spanisch, bis hin zu Chinesisch, was zum Beispiel für all jene, die einen Beruf in der Wirtschaft anstreben, relativ nahe liegt.

Tatsächlich träumt zumindest die Hälfte einer solchen High School davon, den Abschluss auf einem College im Ausland zu machen. Manche begnügen sich hier mit Japan, andere wiederum möchten direkt nach Amerika oder in vergleichbar weit entfernte Länder, um ihre Diploma zu machen.

Im College wird der Stil der Studienräume dann noch einmal um ein Vielfaches perfektioniert. Während die Schüler hier nun den schwierigen Spagat zwischen einem für sie äußerst wichtigen Sozialleben unter den restlichen Schülern und jenem Aspekt ihres Daseins schaffen, in dem es um die besten aller Noten geht, würde unsereins mit den Nerven bereits bis auf das Grundeis gehen. Die Gerüchte, dass nach der High School das heftige Schulleben ein Ende hat und im College dann nur mehr Party angesagt ist, lässt sich nämlich absolut nicht bestätigen.

Bereits in den Tagen der Kindergartenzeit bereiten sich Schüler und Eltern darauf vor, in welches College ihr Kind später einmal gehen wird.

Während der Zeit auf der Universität sind Studenten stark eingespannt und werden zwischen dem dort vorherrschenden Leistungsdruck und dem Familienleben förmlich hin- und hergerissen. Song Minji war so lieb, mir in ein paar kurzen Sätzen zu erklären, was in der Zeit am prägendsten ist:

„Die Universität ist so schwierig, dass während der Prüfungszeiten die ganze Familie zusammenhilft, dass man es da durchschafft. Das ganze Land kriegt das mit, wie heftig das ist – und manche Firmen schließen sogar ihre Läden zu den Prüfungszeiten früher, weil sie uns Studenten damit Anerkennung schenken wollen.“

Nicht zuletzt deshalb wird so ein Rummel um diese Prüfungen gemacht, da man sich mit dem Abschluss an einer solchen Universität mit einer Qualifikation zeigt, die den höchsten internationalen Standards gleichkommt.

Korea mag zwar ein Land sein, das seine Schüler unter einen unglaublichen Leistungsdruck stellt, aber letzten Endes bleibt es damit auch jenes Land, das seit Jahren schon der lebende Beweis dafür bleibt, was für eine Macht eine Gesellschaft hat, deren ebendiese auf Wissen und Studium basiert. Nirgendwo sonst ist das gesamte restliche Leben so sehr geprägt davon, was für Entscheidungen man einmal in seiner Jugendzeit getroffen hat. Und bei jener Macht, von der ich hier schreibe, sei dahingestellt, ob dies positiv oder negativ ist.

Wie versprochen habe ich zum Schluss dieses Artikels nun noch eine übersichtliche Aufstellung für euch.

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Barbara

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